2010/11/12

ise - besuch bei dem schrein

und warum 'dem'? gitbs nicht unzählige schreine hier in japan?
natürlich, das wisst ihr auch. und natürlich ist das alles rhetorisch, und natürlich meien ich damit, ise sei der 'ultimative' schrein, obwohl das eigentlich ziemlicher quatsch ist, denn es gibt wohl kaum eine von ihrer natur her dezentralisiertere religion als den shinto, wo jedes dorf sich um seine eigenen götter kümmert.
nun gab es aber doch einige, die überregionale bedeutung hatten, und davon ist die sonnen göttin klar eine der wichtigsten. und dann kam fröhlich der staatsshinto daher, in der meiji-zeit (ab 1868, der zwangsöffnung des landes), in der die macht wieder vom shogun auf den kaiser zurückging, die macht der adeligen beschnitten werden sollte zugunsten der des kaisers etc. und da braucht man halt ordentlich autorität im rücken, um das land zu einen. und was macht man? klar, man bedient sich der religion, das klappt doch immer ganz gut, und leider gibt sich die religion viel zu oft dazu her. so schuf man also ein system des staatsshinto, in dem die rolle des kaisers als abkömmling amatarasus (der sonnengöttin) stark betont wurde (was zu solchem wahsinn führte wie der behauptung, der kaiser als gott beschütze japan und japan könne somit den 2. weltkrieg niemals verlieren - eine durchaus nicht unseltene ansicht dieser tage, habe ich den eindruck). also, amaterasu als quasi-staatsgöttin. und ihr hauptschrein eben in ise, weil sie sich laut der legende dort niedergelassen hatte. als sie den fluss überquerte, hatte sie bunte kugeln den fluss runterrollen sehen, und das war so schön, dass sie beschloss zu bleiben.
neben dem 'hauptschrein', amaterasus schrein mit allem drum und dran, gibt es aber noch einen äußeren schrein: den schrein für eine fruchtbarkeitsgöttin, von der es heißt, sie bereite amaterasus mahl zu. was dazu führt, dass bis heute jeden tag priester in diesem schrein essen zubereiten und es dann zu amaterasus schrein bringen.
die größte besinderheit ises liegt allerdings in einer anderen sache: es gibt diese schreine schon seit ein, eineinhalbtausend jahren - oder erst seit 17, je nachdem. sie werden nämlich alle 20 jahre neu gebaut, direkt neben dem grade benutzten schrein, und der wird nach 20 jahren, wenn die göttin umzieht, abgebaut. warum? kann man nicht wirklich sagen. kann sein, dass es was mit dem shintoistischen konzept von 'kegare' zu tun hat. wenn ein gott in einem objekt wohnt, ist das objekt daraufhin 'kegare', unrein - gerade weil der reine gott darin war. fragt nicht, ist so. daher gibt es auch heute noch oft den brauch, heilige dinge, in denen temporär eine gottheit wohnt (wie z.b. bestimmte gestecke an den haustüren an neujahr) nach der benutzung zu vernichten. und da schreine eigentlich ja auch nur wohnstätten für die gottheiten sind, werden sie ja eigentlihc auch kegare. also müsste man sie eigentlich auch vernichten. macht man aber eigentlich nicht mehr. (wäre auch ganz schön teuer...)
eien andere erklärung ist, dass bei den anfänglichen baumethoden das dach nach 20 jahren undicht wurde.
wie dem auch sei, ein riesenhaufen geld wird in diesen neubau gesteckt, aber immerhin gibt das ner menge einheimischen handwerkern ein sicheres einkommen...
genug der vorrede, hier kommen die bilder.
bevor wir das gelände des schreins betreten, müssen wir uns reinigen. am besten, indem man durch einen fluss geht, was man früher vor ise auch machte. später ging man dann symbolisch über eine brücke. naja. auf jeden fall, purification ist quasi das konzept des shinto. also shinto - eine religion mit waschzwang? nur ist das halt alles symbolisch. ich hab auch schon gesehen, wie ein priester den teilnehmern an einem ritual etwas salz vor die füße warf. auch beliebt ist die reinigung mittels wedeln eines wedels aus weißen papieren um den kopf herum.
ach, dabei fällt mir auf: es tut mir furchtbar leid, dass ich das so zynisch schreibe! ich weiß genau, auch das christentum hat viele eigenartige symbolische und mythische elemente. ich halte mich keineswegs für besser. aber ich bin zu müde und hab zu wenig zeit, um hier auf politische korrektheit zu achten. und, ganz ehrlich - ich achte viele ideen des shinto sehr, und sie haben ganz andere möglichkeiten, für menschen da zu sein. aber diese rituale... neee, damit kann ich absolut nix anfangen. abgesehen davon: dies ist bei weitem keine religionswissenschaftliche bahandlung, nur mein blog, und den wollt ihr ja auch lesen, sonst wärt ihr nicht hier.
also zurück zum foto oben: die normale reinigung vor einem tempel findet an so einer hütte statt, wo man mit einem schöpfer erst wasser über die hände gießt und dann den mund etwas ausspült.
und dann steht man im wald. nicht immer, aber viele größere schreine haben immer noch einen wald um sich herum, und bäume sind (neben bergen, felsen und meer) oft heilige orte. wobei diese parks oft auch als praks genutzt werden und beileibe nicht ausschließlich einschüchternd-heilig sind.
so, hier nochmal ganz deutlich: das ist ein torii, ein tor vor einem schrein. daran erkennt auch der ungeübte betrachter, dass er es mit einem schrein, keinem tempel zu tun hat. manchmal stehen solche torii auch ziemlich unvermittelt in der landschaft, um irgendwas heilige szu bezeichnen.
 und da sist dann so ungefähre alles, was man sehen kann - und alles, was man fotografieren darf. man kann sich den aufbau eines schreins ähnlich vorstellen wie den des jerusalemer tempels: viele viele ebenen, bevor man beim heiligsten ankäme - was man nie tut. (wobei ich mic hdann imer frage, wer dann saubermacht).
das gebäude, das man hier durch das torii sieht, ist das erste. danach kommt noch eins, und dann noch eins, und darin ist dann das allerheiligste. soweit kann man nicht sehen. und zu normalen ritualen kommen auch die priester nur bis zum zweiten gebäude. die oberpriesterin ist übrigens eine frau aus kaiserlicher familie, und urpsrünglich hatte sie eien jungfrau sein sollen, aber diese regel wurde anscheinend bald aufgegeben. ein hoch auf vernunft und pragmatismus, wie man ihn im japanischen umgang mit religion häufiger beobachten kann.


wikingerdorf? vorne sieht man übrigens ein stück seil mit weißem papier - das zeichen, dass im inneren dieser umzäunung etwas heiliges ist. dieses seil umzäunt den platz, auf dem der neubau dieses schreines stehen wird. ja, die schreine ziehen immer nur von a nach b, hin und her.

sieht der felsen nicht aus wie ne schildkröte?
es ist alles sehr schlicht, und kein einziger nagel wird verwendet - alles holz, das perfekt ineinander gepasst wird. und alles zeder. aber die dachbalken sind vergoldet. sieht wirklich schön aus, das schlichte helle holz, der grüne wald, das bisschen gold...
und was wäre ein schrein ohne seinen verkauf von amuletten, zukunfts-vorhersage-zetteln und ähnlichem?

ich weiß, das bild ist eigentlich schlecht, aber - ne motorradgang bei mgemeinsamen schrein-bessuch? viel zu cool. und übrigens, glaube ich, nur für meine ausländischen augen so ungewöhnlich. hier macht man das einfahc mal, hab auch schon kleine grüppchen schulkinder beim schrein-besuch gesehen.

und danach geht man natürlich essen und mitbringsel shoppen.

so. genug für jetzt. danach waren wir noch am meer, um zwei heilige felsen zu sehen, aber davon stell ich später ein paar bilder online.

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