2010/11/09

naaaraaaaa

das war die woche der field trips. die alte hauptstadt, das hauptquartier einer der größten buddhistischen sekten japans, einer der wichtigsten schreine japans, und noch ein wichtiger schrein.
nicht schlecht, wa?
die frage ist nur, wie erzählen? ich hab das gefühl, field trips sind eher fotogelegenheiten. und, klar, auch einträge von der sorte 'boah, guckt mal, wo ich gelandet bin - wie exoootisch!'. aber was ich dabei lerne, das kann ich nur teilweise mitteilen. zumal wenn es so viel zeug inh einer woche ist, dass ich gar nicht die zeit hab, alles so zu behandeln, wie ich sollte, um euch einen eindruck davon zu geben, was mich beeindruckt hat. ich meine, einerseits kann ich euch nen haufen bilder hier reinstellen und das ist auch ganz nett, bunt und so. andererseits kann ich nen langen artikel schreiben - oder eher könnte ich, denn irgendwie hab ich dafür grad nicht den kopf frei. oder ich nehme ein bild und schreibe mal eine lange bildbetrachtung. wäre auch toll, aber welches bild sollte ich auswählen?
ach je...
wie dem auch sei, ich fange jetzt mal mit dem am längsten vergangenen field trip an: der alten kaiserhauptstadt nara. nara war die hauptstadt vor langer, langer zeit - danach verlegte der kaiser seinen sitz nach kyoto, und dann 1868 wurde der sitz nach toyko verlegt. zur nara-zeit entwickelte sich der buddhismus auch und wurde politisch ziemlich einflussreich. so sehr, dass ein buddhistischer mönch kurz davor war, mal kaiser zu werden - aber daraus wurde dann doch nix.
recht am anfang erzählte jokei, unser 'supervisor', buddhistischer priester (mit einem ziemlich dreisten humor) und vor allem researcher an der uni, die buddhisten hätten nara verlassen, weil der hof zu viel einfluss gewonnen hätte, und hätten ein neues, politik-freies zentrum auf dem berg hiei eingerichtet (von dem gibts auch schon nen artikel). später hörte ich dann von jemand anderem, der hof hätte nara verlassen, weil die buddhisten zu viel einfluss gewonnen hätte. hm?
schließlich die auflösung der verwirrung: erst hat sich ein mönch abgesetzt und auf hiei was neues angefangen. das war tatsächlich eine abkehr von nara, aber nicht nur von der politik, sondern auch von den buddhisten dort, die viel zu sehr an macht und einfluss interessiert waren. (damals waren staat und buddhismus sehr eng verquickt, der buddhismus war eine intellektuell-magische angelegenheit, und die priester/nönche wurden uner enger staatskontrolle gehalten, hatten vor allem für das staatswowhl zu beten und bloß nicht rumzulaufen und tatsächlich mit leuten zu reden!) der plan ging nicht so ganz auf, hiei entwickelte selbst bald enge beziehungen zum hof, aber es behielt sich immerhin, scheint mir, ein stück mehr unabhängigkeit. und der hof zog zumidnet teilweise tatsächlich um, um den einflussreichen buddhistischen orden zu entfliehen.
also - irgendwie hatte beides gestimmt. auch interessant.
zurück also zu nara. ehrlich gesagt, allzu lehrreich war der field trip selbst nicht, denn wir hatten niemanden dabei, der sich wirklich fachkundig ausgekannt hätte. jokei konnte ein bisschen was erzählen, war aber mindestens genauso sehr damit beschäftigt, ein mitbringsel (omiage) für seine frau zu finden. ja, die omiage-kultur ist hier sehr lebendig und sicherlich mit für die recht gute wirtschaftliche lage verantwortlich. ich meine, bei jeder sehenswürdigkeit gibt es läden und stände, die mitbringsel verkaufen, sei es kitsch, dekoratives, praktisches und viel viel essen. jede region, jeder ort hat seine spezialität, und wenn es nur ein wenig anders zubereitete nudeln sind. und wie wir von jokei erfuhren, sei es durchaus ganz normal, auch von einem so kurzen ausflug etwas mitzubringen. immerhin, er nahm shcließlich etwas zu essen, also quasi das abendessen. also doch wieder recht praktisch.
und irgendwie ist es ja auch nett, ständig geschenke zu geben und zu bringen. bloß teuer - die meisten omiage isnd ja nicht dinge, die man wirklich brauchen kann, sondern nette kleinigkeiten. und dafür lässt man dann ordentlich geld.
nun denn. zurück zu nara.
1.: nara ist voller rehe. die viecher werden als göttliche botschafter angesehen und rennen überall herum. erinnert an die kühe in indien.
natürlich gibts auch entsprechende reh-futter-stände. und naürlich auch warnschilder:




super, oder?
natürlich hat nara auch sein eigenes maskottchen, sento-kun:



den kann man auf jedem zugehriogen bahnhof sehen, ab und zu auch schaukelnd unter der decke...
aber genug der rehe. es gibt ja auch ein paar sehr schöne, kulturell höchst bedeutende tempel und schreine.



hier das haupttor eines tempels. ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, welcher. aber er ist sehr bedeutend. im tor drin zwei schutzgötter:

hiner gittern, zur sicherheit der besucher.

ach ja, noch ein paar schrecklichkeiten eines souvenirshops:
jetzt aber wieder zurück zur ernsthaften kultur.
ein blick auf den tempel. ziemlich groß... aber nur ein drittel der original-größe.wurde damals vom kaiser gebaut, der sich stark dem buddhismus zugewandt hatte und darin eine riesige vergoldete budddha-statue aufbauen ließ, in der hoffnung, das würde das land von den krankheits- und unwetterplagen befreien.

das ding ist rieeeesig. zum vergleich unten eines der blätter der lotusblumen, auf denen der kerl sitzt.

natürlich brauchen auch tempel geld, um erhalten zu werden - und die eintrittspreise scheinen nicht zu reichen. wie wäre es mit diesem fundraising-modell?
im kühleren nara war auch die momiji, die herbstliche färbung der bäume und vor allem des japanischen ahorns, in vollem gange:
und dann gings weiter zum schrein. natürlich hat nara als alte hauptstadt auch wichtige shinto-schreine. und da wir an einem national holiday da waren, war es auch recht belebt. außerdem ist grade die zeit des shichi-go-san, also 7-5-3. das bedeutet, dass kinder in diesen altersstufen mit ihren familien einen schrein besuchen, um sich dort der gottheit zu präsentieren und für ein weiterhin glückliches leben zu beten. ist ne kurze angelegenheit, und das kind wird in einen wunderschönen kimono gesteckt, daher sind die entsprecheneden familien gut erkennbar.


hinten rechts der priester, der das gebet spricht, vorne die familie, die das gebet bestellt hat. wie das vonstatten geht, werde ich in den näcshten tagen genauer schreiben - wurde heute im heian-schrein in einer ähnlichen, aber schlichteren zeremonie der örtlichen gottheit vorgestellt.
noch ein paar schrein-impressionen:


das sind ema (wörtl: pferdbilder), die man gegen eine 'spende' erwerben kann und auf die man wünsche schreiben kann. diese hier sind recht modern und geben ein recht deutlichen hinweis auf die hauptaufgabe dieser gottheit: sie hat offentlichtlich irgendwas mit liebe zu tun.
und schlussendlich ein letztes interessantes bild: direkt an einer großen tempel-anlage steht eine kirche, die genauso aussieht wie ein kleiner tempel. leider war keiner da... hätte diese kirche gern von innen gesehen.


so. genug für heute, gute nacht!

3 Kommentare:

  1. Sind das Hörnermützen o.ä. in Bild 7?

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  2. öhm... hörnerhaarreifen, um genau zu sein, aber, ja, irgendwie schon. soll ich dir welche mitbringen?
    tatsächlich haben wir., theologie-geschädigt, schon angenommen, die goldenen enden des tempels in bild 8 seien hörner. sind aber fische. was wasser-mäßiges, um den tempel vor feuern zu schützen.

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  3. also die rehgeweihe (??) sind ja mal echt genial, erinnern an die rentiergeweihe für weihnachten :)

    im buddhismus, so hab ich es jedenfalls gelernt, ist es immer wichtig (wenn du von geschenken und essen sprichst) verbindung zu jemandem, vorallem zu lehrern, aufzubauen. dazu bringt man geschenke, blumen z.b., mit, oder geld und man bekommt dafür meistens etwas alkohol und... ja, essen... damit ist symbolisch die verbindung für die lehreübertragung geschaffen und der schüler/laie kann loslegen mit seiner praxis...
    schöner artikel, und das schild mit wie man reh füttern soll is super ;)

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