ein berg voller leute, die sich das askesen-mönchtum anschauen wollen. hmja.
heute waren wir auf dem berg Hie. um zu erklären, was an einem berg mit ein paar tempeln drauf so toll ist, dass wir dafür ne ganze weile bus gefahren sind, muss ich etwas in die geschichte des buddhismus und die geschichte japans zurückgreifen. endlich eine gelegenheit, mein neues wissen zu formulieren!
also. vor langer zeit (ich glaube, es war so um 700, aber dafür müsste ich nachgucken, und das wäre ja doof) war die hauptstadt japans in nara. dort hatten sich aus dem aus china über korea importierten buddhismus die nara six sects herausgebildet, also sechs verschiedene denkrichtungen unter den mönchen. (wobei sie interessanterweise nicht getrennt voneinander waren, grenzen waren kaum vorhanden.) seit der bekanntwerdung des buddhismus in japan war dieser vor allem eine religion der adeligen gewesen, von den mönchen wurde vor allem erwartet, dass sie ihre religiösen kräfte zum guten des landes nutzten - also sutras sangen und ähnliches, um kranke adelige zu heilen oder vor allem um das land vor unheil zu schützen. abgesehen davon war der nara-buddhismus eher intellektueller art; den priestern und mönchen war es sowieso verboten, groß unter die leute zu gehen - sie hätten ja zu mächtig werden können und irgendwie die autorität untergraben können.
aber gab es zwei mönche, die diese art des hof-buddhismus ablehnten und in die berge gingen (damals, soweit ich weiß, unabhängig voneinander): kukai und saicho. kukai gründete einen komplett esoterischen buddhismus, von dem ich später mehr erzählen werde, wenn wir die exkursion auf seinen berg gemacht haben. und saicho ging eben auf den hiei-san (berg hiei), wo er erstmal lange blieb. irgendwann kam er dann wieder runter, studierte auch mal in china und brachte von da eine neue art des buddhismus mit, dessen grundgedanke es war, dass alle menschen die fähigkeit zur erleuchtung in sich trügen (mahayana-buddismus). und noch ein paar mehr sachen, aber das ist jetzt zu kompliziert. er schaffte es, auf seinem berg die erste von nara unabhängige buddhistische 'sekte' zu gründen (auch dank recht guter verbindungen zum hof...). auch ging er mehr nach kyoto, um mit menschen zu reden, und seine schüler sollten laut plan die lehrer, aufbauhelfer und schätze der nation werden. die hauptstadt war übrigens mittlerweile von nara nach kyoto gezogen - auch, um von den klauen der mächtigen buddhistischen sekten dort loszukommen. (toll, nech? jetzt saßen also alle 'flüchtlinge' wieder nah beieinander.) der tendai-buddhismus (so hieß saichos 'sekte') wurde immer wichtiger am hofe... und konzentrierte sich stärkerz auf die esoterischen praktiken. saicho hatte eigentlich gewollt, dass seine mönche sowohl studieren als auch praktizieren - aber unser führer heute, einer der priester auf dem berg, meinte stolz, hiei sei 'the mountain of practice'. hm.
auf jeden fall war es wunderschön. allein die chance, mal aus kyoto rauszukommen! und in die berge rein!
wir nahmen einen bus, einen ganz normalen city bus, der uns über eine enge, kurvenreiche straße immer höher trug. am straßenrand tauchten manchmal häuser auf, und wie immer war ich verwundert, wie zusammengeschustert viele häuser in japan aussehen, wenn man mal aus den stadtkernen rauskommt. dann wirkt japan auf einmal mehr wie ein schwellenland und nicht wie das teuerste land der erde. also, zusammengeklatschte häuser hier und da, kleine felder für gemüse und sogar ab und an reis, und wald - zedern, bambus (schööön!), wasauchimmer. es wurde kühler - unter zwanzig grad! und man sah die ersten ahornbäume mit gefärbten blättern. (ein anblick, auf den die japaner so sehnsüchtig warten wie auf die kirschblüte.) und dann, auf einmal, fiel der berg steil ab und der blick öffnete sich weit aufden riesigen see biwako. was für eine straße - der see, die berge, alles verschwimmend in der feuchten luft wie auf einem dieser japanischen wandschirme... links und rechts ging es steil bergab, teilweise fühlte man sich wie auf einem deich. und dann, oben auf dem einsiedlerberg angekommen waren wir auf - einem parkplatz. mit bude, in der essen und mitbtingsel verkauft wurden. dann durchs große tempeltor, mit den anderen touris. dort trafen wir unseren führer, einen der dortigen priester. die ersten tempel, die wir sahen, waren zwar beeindruckend, aber... naja, tempel sehen irgendwann doch alle ähnlich aus, und wo war die bergatmosphäre bei so viel asphalt?
aber es wurde immer besser. wir gingen zu diversen der weit verstreuten tempel, die verschiedenen buddahs geweiht waren, und je weiter wir kamen, desto ruhiger war es, man konnte die zedern riechen und spürte die kühle des waldes.
hier also leben sie, in den zahllosen über den berg verstreuten tempeln, hier leben sie, singen sie ihre sutras, singen stunden-tage-wochenlang den namen buddhas, verbringen wochen in der 'cleaning hell', einem tempel, in dem einige mönche montae damit verbringen, nur sauberzumachen - den ganzen tag lang, rennen hundert tage lang jede nacht um den berg, um an verschiedenen orten (tempel, heilige plätze, schreine (!), den blick auf kyoto) zu beten, hier sitzen oder laufen sie neunzig tage lang und rezitieren ohne schlaf den namen buddhas, hier studieren sie, diskutieren - und führen ab un zu besucher herum. außerdem ist hier ihr gründer begraben, saicho, den sie immer noch behandeln, als sei er lebendig - sie stellen ihm im winter sogar einen heizlüfter in seinen tempel, und jeden tag gibts essen.
der priester, der uns herumführte, war genauso, wie man sich einen 'echten buddhisten' vorstellt - rasiert, in schlichter mönchskleidung (mit loch im saum), tiefer, schöner stimme, freundlichen augen und ruhe. schade, schade, schade, dass unser japanisch so verdammt schlecht ist!
ein tag draußen also, in den bergen, unter riesigen zedern und japanischen ahornbäumen, die in der kühle der berge schon allmählich herbstliche farben annahmen. ein tag zum durchatmen, auch wenn es andererseits wieder sehr anstrengend war. ein tag, um ein paar sehr ernsthafte buddhisten mal etwas näher zu erleben. es bleibt die frage: wer organisiert eigentlich die ganzen touristen, die hier hochkommen? die souvenirshops, den essensladen, die buslinien, die eintrittsverkäufe?
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