2010/10/17

wo bin ich eigentlich gelandet? #2

get up! ah, sumimasen (was soviel wie "entschuldigung" bedeutet)
ich schulde euch ja noch einen zweiten einführungsteil. und da heute sonntag ist und ich ausnahmsweise mal zeit habe (ja, wirklich! zeit! einen ganzen tag lang!) und das brotbacken schon gemacht habe (hmm, frisches roggen-sauerteig-brot dank carepaket mit mehl drin!), kann ich mich jetzt endlich mal daran setzen, euch zu erzählen, wo und wie ich hier eigentlich lebe.
erstens: ich wohne in einem wohnheim. lustigerweise wurde es zumindest irgendwie auch von deutschen gegründet und trägt den schönen namen "haus der begegnung". damit ist es etwas ganz besonderes: ein studentenwohnheim, in dem zur hälfte ausländer und zur hälfte japaner wohnen und das es sich zum ziel setzt, dass seine bewohner und bewohnerinnen nicht nur nebeneinander wohnen, sondern wirklich miteinander leben, sich gegenseitig kennelernen und gemeinsame unternehmungen machen. (ein teil des team-budgets wird sogar für bier und andere alkoholika ausgegeben!)
das wohnheim ist meinem geliebten schloss-wohnheim in marburg gar nicht unähnlich. auch hier wohnen ungefähr vierzig studenten, auch hier geht es ums zusammenleben, auch hier hat man küche und bad auf dem flur, und die größe der zimmer ist ähnlich der kleineren zimmer im schloss (so wie im z-flügel). und vor allem ist auch dieses wohnheim zumindest teilweise selbstorganisiert, wir haben alle zwei wochen ein meeting, wo field trip (ein wochenende pro semester, dieses semester gehen wir wandern), festivitäten und organisatorisches besprochen werden. und auch hier sind die leute nett, offen, interessiert an den neuen und ich hatte bisher nicht den eindruck, irgendwelche größeren ausgrenzungen mitzuerleben.
tatsählich sind die gemeinsamkeiten und unterschiede dieses wohnheims zu meinem 'heimatwohnheim' sehr interessant und eine gute gelegenheit, sich einmal mehr die grundlegenden unterschiede der japanischen und der deutschen denkmuster klarzumachen - aber das soll mal ein eigener post werden.
hier soll es ja nur um eine grundlegende beschreibung meiner lebenssituation gehen.
mein zimmer ist, wie gesagt, nicht besonders groß, aber groß genug, um gemütlich bett, schreibtisch (der winzig ist im vergleich zu meinem eigenen!), schrank, waschbecken und wandregal unterzubringen, dazu einen kleinen tisch, auf dem ich im moment meinen reiskocher bunkere. denn obwohl wir über eine leidlich gut ausgestattete küche verfügen, hat doch jeder seinen eigenen reiskocher im zimmer. als ich zu beginn beim reiskochen im topf gesehen wurde, überkam eine mitbewohnerin so großes mitleid, dass sie mir ihren reiskocher als dauerleihgabe überließ. was mich immer noch irgendwie verwirrt.
nun denn. dass die isolierung weder gegen außentemperatur noch gegen geräusche irgendwei nennenswert ist, habe ich, glaube ich, schon erwähnt. japanische häuser sind eben klassischerweise eher für die lange, feuchte sommerzeit ausgelegt als für den winter. und gegen lärm scheinen mir die japaner - zumindest die in den städten - sowieso immun zu sein, sonst wären die alle schon bekloppt geworden. ich dagegen wache häufiger morgens von untrethaltungen im flur auf, und nachts bin ich immer wieder sehr froh, dass ich mir in weiser voraussicht (immerhin kenne ich doch das  wohnheimsleben!) ohropax mitgenommen habe.
alle zwei wochen gibt es hier im wohnheim ein common meal, bei dem ca. zehn leute für alle anderen kochen. gekocht und gegessen wird dann unten, im erdgeschoss, wo die "lobby" ist - ein großer raum mit vielen gemütlichen stühlen, einem fernseher und einer bar, hinter der sich eine küche anschließt. hier in der lobby hält man sich meistens abends auf, wenn man irgendwie zusammensitzen will - woanders geht das auch kaum. sich gegenseitig auf den zimmern zu besuchen scheint eher ungewöhnlich zu sein und nur bei wirklich befreundeten personen vorzukommen. ziemlich lästig, wenn man am schreibtisch sitzt, jemand klopft, und statt dass der klopfende nach einem einladenden 'ja?' reinkommt, muss man selbst aufstehen und sich mit ihm/ihr (aber natürlich besonder mit einem "ihm") an der tür unterhalten.
in den küchen kann man leider auch nicht zusammensitzen - sie sind zu klein dafür, man kann dort nur kochen - essen muss man auf seinem zimmer. oder in der lobby, wo sich immer mal wieder banden zusammentun, um ein abendessen zusammenzuschmeißen. da kommt einem die japanische (bzw. allgemein asiatische) essweise sehr zugegen - es gibt sowieso immer irgendwas mit reis, und so ist es egal, wie viele vollkommen untreschiedliche sachen auf dem tisch stehen, man kann sich von jedem was nehmen. die idee eines hauptgerichts mit gemüse und sättigungsbeilage existiert in der form nicht - vor allem nicht in der form, dass das genau aufeinander abgestimmt sein muss. praktisch.
ja, was noch...? was wollt ihr wissen?

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