hi!
heute in 'buddhism' class. heute gings um 'pure land buddhism', jodo shu und jodo shin shu, die sich in japan um 1200 herum entwickelten. die idee ist folgende: jeder buddha hat ein eigenes land. und in das land von amida buddha kommt man, wenn man auch nur ein (bzw. zehn-) mal seinen namen anruft. in diesem land ist die erleichtung sozusagen garantiert. also kann jeder, der amidas namen anruft, erleuchtet werden. wirklich jeder.
krasse abkehr von den vorherigen buddhistischen gedanken, die die praxis (also meditation o.ä.) für mindestens gleichwertig hielten/halten, sodass erleuchtung wesentlich schwerer zu erlangen ist, wenn nicht unmöglich.
und wie kommt es zu dieser neuen interpretation? das sutra, auf das sich die gründer der beiden pure-land-gruppen gründete, war schon bekannt. aber honen, der begründer der jodoshu, las einen kommentar des chinesischen mönchs shan-tao.
und jetzt kommt das, was mich in der stunde mehr weggehauen hat als alle ähnlichkeiten von pure land mit luther (vor allem honens schüler shinran betonte nämlich den gedanken der errettung durch glauben, und allein durch glauben. klingt wirklich fast genauso wie luther. freaky.):
die eigentliche passage des sutras ist amidas 18th vow:
'If, when I attain Buddhahood, sentient beings in the lands of the ten directions who sincerely and joyfully entrust themselves to me, desire to be born in my land, and remain mindful of me even ten times, should not be born there, may I not attain perfect enlightenment. Excluded, however, are those who commit the five gravest offences and abuse the right Dharma.'
Klingt ja schon recht nett, aber hier sieht man noch nichts von Errettung aller. Und nun die rephrase von Shan-tao, die Honen zitierte:
'When I attain Buddhahood, if all sentient beings in the ten directions who aspire to be born in my land and recite my name even ten times are not born there, then may I not attain perfect enlightenment.'
Dass das rezitieren des Namens dasselbe ist wie 'to be mindful of me ten times', das ist noch recht nachvollziehbar. Aber - Shan-tao hat einfach mal die Auslassugsklausel weggelassen! Als ich unseren Dozenten danach fragte, erklärte er, das sei im Buddhismus vollkommen legitim. In der Exegese gehe man davon aus, dass jedes Sutra seiner Zuhörerschaft angepasst gewesen sei, also jetzt, mit anderen Lesern, auch umformuliert werden kann. 'If you are convinced that it's right, and if your religious experience says so, you can change the scripture. You try to find the real meaning behind the sutras.'
Das ließ mich als Studierende der Theologie, wo man sich so bemüht, den möglichst originalen Text zu finden, und auch in jeder Übersetzung so genau wie möglich zu sein, wo man erst ganz allmählich all diese kontextualen Gedanken hat, sprachlos zurück.
If you are convinced it's right, you can change the scripture.
Ich brauche eine genaue Quelle für meine nächste theologische Hausarbeit, das ist genial!
AntwortenLöschenkeine ahnung, obs da ne quelle gibt - die machen das einfach so!
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