was mich seit der ankunft hier beschäftigt ist der versuch, die verschiedenheit der denkweisen zu verstehen. je mehr ich darüber verstehe, desto verwirrender wird es, weil es umso uneindeutiger wird. ich werde also mal weider versuchen, euch an meiner verwirrung teilhaben zu lassen.
ein interessane bemerkung: im westlichen denken dreht sich seit den alten griechen alles ums 'sein', die ontologie ist ein zentraler bestandteil unserer phliosophie, und das sein die grundlage von allem. (oder?) hier dagegen ist das 'nichts' die grundlage, wie es ja auch das ziel des buddhismus ist, zu erkennen, dass es kein selbst gibt, dass die welt eine illusion ist,d ass eigentlich alles eine illusion ist. wie in den meisten shintoistischen schreinen im allerheiligsten - nichts ist. oder vielleicht ein ganz simples symbol, wie ein spiegel für die sonnengöttin amaterasu oder ähnliches. wie lao-tsu sagte: aus zehn speichen besteht ein rad, aber was es zum rad macht, ist der zwischenraum. eine tasse besteht aus ton, aber was sie zur tasse macht, ist der leere raum. oder, ins moderne gewendet von kei, einem mitbewohner aus taiwan, dessen großvater ihm solche philosophischen gedanken nahegebracht hatte, ein haus besteht aus wänden und decken, aber was es zum haus macht, das ist der platz darin.
"Die Malerei des Ostens zielt nicht auf die Expression der realen Form der Dinge, und selbst wenn sie deren Porttrait gibt, stellt sie nicht die Dinge selbst dar. Nach ihrem eigenen Empfinden bringt sie die Seele zum Ausdruck, aber 'Seele' meint nichts anderes als die gestaltlose Welt. An der Oberfläche der Leinwand tritt der leere Raum hervor. Dieser leere Raum ist grundverschieden vom Hintergrund westlicher Malerei. Denn eben durch die Form der dargestellten Dinge werden die leeren Räume erschlossen." (Shimomura T., zitiert nach: Nishitani, Was ist Religion?)
"Ein Nichts, das vom Sein getrennt ist, ist nicht das wahre Nichts" (Nishida, zitiert nach ebd.)
Tjaaa.... ich habe, ehrlich gesagt, noch keine Ahnung, was mit dem Nichts gemeint ist, aber ich bin ja auch erst knapp über das Vorwort zu diesem äußerst interessanten Buch hinaus. Und abgesehen davon: werde ich überhaupt jemals verstehen können, was dieses 'nichts' ist?
Das ist nämlich ein anderer Punkt (wobei Punkt irgendwie ein zu klarer, definierter Begriff ist, 'Haufen' oder 'Nebel' wären eigentlich passender): Es ist sehr westlich, alles genau definieren und verstehen zu wollen, die ganze Welt rational und logisch erfassen zu wollen. Dass diese Herangehensweise allein zum Scheitern verurteilt ist, begreifen wir selten, stattdessen versuchen wir, immer genauere Definitionen zu finden, die Dinge und Gedanken noch mehr zu sezieren. Aber, wenn man all die Einzelheiten kennt, dann hat man noch lange nicht das Ganze begriffen. Irgendwie erinnert mich unsere Haltung manchmal an eine Szene aus 'Thief of Time' von Terry Pratchett, wo eine Gruppe Wesen, die quasi die Funktion der Buchhalter des Universums ausfüllen, ein Bild in seine Pigmente zerlegen, um zu verstehen, warum es schön ist. (Übrigens ein großartiges Buch, und auch die Anleihen an buddhistische Gedanken sind so abstrus wie treffend!)
Buddhistische Schulen, Philosophische Denkrichtungen, generell 'die Asiaten', gegen sie alle kann man den Vorwurf bringen, sie denken nicht systematisch - vom Shinto, der ja noch nicht mal nen vernünftigen hiligen Text hat, ganz zu schweigen. Dieser Vorwurf kommt nicht nur von außen, sondern auch von japanischen (und vermutlich auch anderen asiatischen) Denkern. Wo ist eine buddhistische Dogmatik, die endlich mal die verschiedenen Aspekte einer buddhistischen Schule formulieren würde? Wo ist irgendein systematisch aufgebautes Werk eines Philosophen der 'Kyotoer Schule', die doch so rennomiert war? Man könnte meinen, die Asiaten könnten halt alle nicht logisch denken. Und in gewissem Sinne... ist da nicht auch was dran? Einfach, weil hier die Aufklärung und die Rationalisierung nicht so stattgefunden hat wie in Europe, bzw. gar nicht? Weil hier eben pur logisches Denken nicht den Stellenwert hat wie bei uns? In derselben Diskussion, aus der ich oben schon Kei zitierte, stimmten meine drei Diskussionspartner (ein Taiwanese, ein Japaner und ein Vietnamese, also recht repräsentativ für 'ganz Asien' ^^) sofort vehement zu, als ich mal vorsichtig die These zur Debatte stellte, Asiaten würden mehr 'fühlen' und weniger 'denken'. Ich habe also zur Zeit die Arbeitshypothese, im asiatischen Raum würde mehr Wert auf Intuition und Eindruck gelegt und weniger auf strenge Logik. Mal schauen.
toller beitrag!
AntwortenLöschenalso buddhismus wird auch "hier" in europa total logisch zu erklären versucht, mit anschaulichen beispielen.
als du vom pretchett buch sprachst wo ein bild in seine einzelteile zerlegt wird... das wurde auch mal in einem vortrag von einem buddhistischen reiselehrer hier erwähnt (also das buch) und dass das eigentlich genau richtig wäre: was genau steht denn hinter den dingen, wenn man sie auseinandernimmt? immer kleinere teile die zu atmonen und zu noch kleinener teilen (miri du weißt sicherlich noch kleinereteile als ich) und so weiter, aber gibt es ein ende und wenn wir dieses ende nun als "nichts" bezeichnen, wissen wir in 5 jahren, dass das noch nicht das "nichts" war... oh man, ja es ist kompliziert aber du bist auf einem guten weg, nicht dass ich wüsste was das nichts denn "sei"- hahaha, ein widerspruch in sich irgendwie oder? was "ist" das nichts... ja, wir euopäer beschäftigen uns echt gern mit dem sein, anstatt mal was anzuerkennen, was da ist, viel von nichts und ein hauch von schein und sein ;)
ich will mehr darüber lesen, macht mir echt spaß hier ;) auch wenn ich ein wenig verspätet nachkomme!
schönen tag dir!!!