ich hab immer mal wieder ganz begeisterte kommentare von freunden gehört, sowas wie 'das klingt alles so toll, was du schreibst' oder 'ich beneide dich!'. das freut mich - einerseits. andererseits macht es mir vor allem klar, wie einseitig ich oft schreibe. ich erzähle von den interessanten zeiten, und ich erzähle sehr positiv. das schwierige blende ich oft genug aus, oder erwähne es nur am rande. es scheint mir nicht erwähnenswert, oder ich will nicht jammern, oder es scheint mir nötiger vom nächsten eindrucksvollen field trip zu schreiben, oder - es ist mir auch oft zu persönlich gewesen. es ist so viel leichter, das fröhliche zu teilen, als das traurige, denn darin zeigt man die eigenen schwächen, und um ehrlich zu sein tue ich das nicht gern.
aber ich denke, es ist auch wichtig, denn ich bin grade dabei, ein halbwegs falsches bild darzustellen.
also - leicht ist es nicht, hier zu sein. wirklich nicht. warum? ich denke, es ist eine mischung aus der art, wie ich bin, die es mir nicht leicht macht, in der fremde zu sein, aus einem land, das mir viel abverlangt, und aus eienr lebenssituation, die zu verlassen mir schwer fiel.
wobei das natürlich alles ineinander übergeht.
letzteres zu erst: mir ist sind umfeld, meine freunde und familie sehr wichtig. und ich habe in marburg wirklich ein gutes umfeld gefunden. das, was ich mir da ganz alleine aufgebaut habe, zu verlassen, war nicht leicht. und dann auch noch mein freund, mit dem ich beim abflug erst ein halbes jahr zusammen war. in dieser zeit hatten wir fast jeden tag miteinander verbracht, und jezt auf einmal ein halbes jahr nur skype und briefe.
und ich bin halt auch ein sehr emfpindsamer mensch, darauf gepolt, sehr auf andere zu achten und mich so zu verhalten, dass es passt. eine tendenz, die ich im schloss (in marburg) ein wenig abzulegen gelernt hatte, die aber hier in japan ganz schlimm verstärkt wurde, bis ich vergessen hatte auch nur zu überlegen, was ich eigentlich will, weil ich so damit beschäftigt war herauszufinden, was mein gegenüber wollte. ich habe versucht, mich hier anzupassen, so gut es geht, aber das ist verdammt schwer, zumal ich die sprache auch nur bruchstückhaft beherrsche. es gibt hier so viele erwartungen, signale, höflichkeitsregeln, die ganz anders sind als in deutschland, und die man nur unterschwellig spürt, was einen gradezu paranoid machen kann bei der frage, wann man eigentlich grade wem auf den schlips tritt. dazu kommt, dass japaner generell eher zurückhaltend sind, was mich dazu bringt, mich auch möglichst zurückzuhalten. das geht bis in die haltung und körpersprache - weniger gestikulieren, füße zusammen, 'klein machen', nicht so auffallen wollen. aber auch sonst - nicht so laut reden, nicht so stark seine meinung ausdrücken, sich immer schön ordentlich benehmen, zurückhalten... wobei ich glaube, dass menschen, die in dieser kultur aufgewachsen sind und diese regeln alle (unterbewusst) kennen, mit ihnen wesentlich freier umgehen können, selbst entscheiden können, welche regeln sie befolgen und welche sie brechen, genauso wie ich in deutschland meinen eigenen stil habe und nicht jeder erwartung entspreche. bloß, dadurch, dass all diese unterschwelligen regeln für mich fremd sind, weiß ich nicht, wie ich mit ihnen umgehen kann, wann ein bruch nur ein ausdruck 'eigenen stils' wäre und wann er eine unhöflichkeit ersten ranges darstellte.
dazu kommt, wie gesagt, noch das sprachproblem. es ist so unglaublich frustrierend, praktisch nichts lesen zu können, also zum beispiel keine reise alleine planen zu können, weil man die entsprechenden hompages kaum entziffern kann. wenn man irgendwelche infos nicht mitkriegt, weil man sie nicht lesen kann. wenn man mal weider lächelnd irgendwo dabei sitzt, ne weile versucht, der untrehaltung zu folgen, indem man alle bröckchen aufschnappt, die man kriegen kann, und dann irgendwann abschaltet, weils zu anstrengend wird. ich hätte mich mit so vielen leuten hier gerne mehr unterhalten, aber es geht einfach nicht, verdammt noch mal. und das liegt nicht nur an der fremdheit der japanischen sprache, und definitiv nicht daran, dass sie unlernbar ist, wie mancher japaner schon mit verquerem stolz behauptet hat, sondern daran, dass ich die zeit und ruhe nicht habe, mich da ordentlich ranzusetzen und den kram zu lernen. wenn ich hier grammatik, vokabeln, schriftzeichen pauken würde, dann wäre das ne andere geschichte, aber ich bin mit so vielem anderen beschäftigt und angestrengt, dass ich dafür den kopf nun wirklich nicht mehr frei habe.
und dann noch das ständige gast-sein. irgendwohin geschleppt zu werden, oft ohne zu wissen wohin und wie lange es dauern wird oder was eigentlich grad mit einem passiert, aber man muss ja dankbar sein, immerhin nehmensich die leute zeit und laden einen fast immer auch ein, auch wenn man das vielleicht gar nicht will, und so sitzt man da und isst lächelnd irgendein zeug, das man gar nicht haben will, und bestätigt auf nachfrage, wie toll doch alles war. und, ja, ich bin ja auch dankbar, und es ist ja auch vieles toll, aber es ist auch verdammt anstrengend, und alles immer auch noch lauthals toll finden zu müssen, macht es noch anstrengender.
dann kommt noch irgendwer daher und merkt, dass ich nicht ugt drauf bin, und macht sich gleich sorgen, was auch niemandem weiterhilft.
also wieder lächeln und so tun, als wäre alles in ordnung.
und das alleinsein - niemand da, den man länger kennt, alle freunde weit weg, und man muss alles alleine verantworten. klar, ich hab viel hilfsbereitschaft erlebt (gottseidank! sonst hätte ich einige schwierigkeiten mehr), aber organisieren muss ich doch alles selbst, von nachzuschickenden päckchen über busreservierungen für den nächsten nachtbus zu irgendwelchem offiziellen krams. da ist niemand, den ich grad mal bitten könnte, das mal für mich zu übernehmen.
und die fremdheit... klar, oberflächlich ist es nicht mehr so fremd, und ich werde nicht allein vom durch-die-straße-laufen müde, weil alles so neu und fremd ist, wie das am anfang der fall war. trotzdem, die straßen, die häuser, die landschaft, die menschen, das essen, alles ist anders als das, was ich kenne, was mir heimatlich ist. ich mag es, und ich habe mich daran gewöhnt, aber fremd ist es mir doch. es ist halt was anderes, ob man das alles erst seit 4 monaten sieht oder 23 jahre lang gesehen hat.
nein, leicht ist es wirklich nicht. fragt meinen freund, wie oft ich schon vor meinem computer gesessen und in die kamera geheult habe... vermutlich öfter, als er zählen will. dafür kann ich dann hier mein lächelndes gesicht zeigen. erst neulich, in yakushima, habe ich (wieder einmal) beschlossen, mich weniger anpassen zu wollen, mehr deutsch zu sein (also unhöflicher, direkter, weniger emfindlich die möglichen wünsche der anderen erahnen wollend) - und ein paar stunden später merkte ich: weiß ich denn noch, wie sich das anfühlt? mich einfach natürlich zu verhalten?
klar, ich habe immer wieder den wunsch 'bleib so, wie du bist' gehört. aber - was bedeutet das eigentlich, wenn man in einem umfeld ist, wo vieles anders verstanden, anders wahrgenommen wird? wo direktheit nicht so sehr als ehrlichkeit und mehr als affront verstanden wird, zum beispiel? oder was anders: in deutschland würden mich vermutlich schon viele menschen als freundlichen, zuvorkommenden menschen bezeichnen. wenn ich mich aber genauso wie in deutschland hier verhielte, würden mich die menschen vermutlich anders wahrnehmen. man muss sich ein stück weit 'übersetzen'. nur wie, ohne dabei sich selbst zu verlieren? anpassen ja, aber... wie?
tjaja. in kyoto hab ich mich auf diese reise gefreut, weil sie mich ablenken würde vom langsamen verstreichen der zeit. gleichzeitig wusste ich, wie anstrengend es sein würde. nun, beides hat sich bestätigt. der januar ist schon rum (was für ein glück!), aber es ist auch wirklich schwierig. nicht nur, aber auch. auf der reise ist das fremd-sein, gast-sein, sich ständig an andere häuser, menschen, lebensweisen anpassen noch stärker und verlangt mir noch mehr ab. gleichzeitig bin ich eben auch wirklich mehr abgelenkt, und ich sehe unglaublich viel und lerne.
ja, diese ganze wahnsinnige geschichte wird mal ein großer schatz an erfahrungen und wissen sein, und ich werde oft daran zurückdenken und aus diesem schatz schöpfen, und auch stolz darauf sein, das hingekriegt zu haben, und es gibt ja auch viele gute erinnerungen.
ich wollte einfach nur das bild mal ein bisschen graderücken.
warte nur, bis du wieder hier bist, dann gibts kaffe mit steady as she goes und abends lasagne! und bis dahin: *umarm*!
AntwortenLöschenach du... darauf freu ich mich sooo! allerdings bitte mit sojamilch und dinkelnudeln, ne? (leider, leider...)
AntwortenLöschenimmerhin, der februar ist angebrochen! und das ist mein letzter ganzer monat hier!
hmmmm, über die sojamilch reden wir nochmal :)
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