2010/12/03

hmpf. oder: besuch auf dem koya-san

das ist auch schon ein paar wochen her...
da fährt man auf einen berg, um die mönche zu besuchen, die ihr leben der shingon-schule des buddhismus gewidmet haben und sich dafür auf einen heiligen berg zurückgezogen haben, und was sieht man: touristen und einen eingebildeten mönch. was für eine enttäuschung!
aber von vorne: der shingon-buddhismus ist eine eher esoterische angelegenheit, in der es anscheinend darum geht, durch das vollziehen allerhand rituale und das rezitieren von mantras etc schon in diesem leben die erleuchtung zu erhalten. die idee ist, dass man, wenn man äußerlich all die gesten, worte und haltungen nachvollzieht, die vom eigenen vorbild (ein buddha oder eine gottheit, die als boddhisattva gilt) überliefert sind, nachahmt, dann wird man auch innerlich gleich.
und was bedeutet das nun? dass man als außenstehender ziemlich wenig davon mitkriegt, weil es doch esoterisch ist, also eine geheimlehre. ich kann also eigentlich gar nicht urteilen. (bitte erinnert euch an diesen satz!)
also, vor langer zeit ging der gründer der shingon-schule also in die berge, und jetzt gitbs da ein ganzes dorf. früher kamen dann noch pilger, heute sinds mehr touris (wie wir?). man kann in vielen tempeln übernachten, was sehr schön ist. der gründer gilt als noch lebendig, weshalb er auch täglich noch was zu essen kriegt. die mönche sind größtenteils mönche auf zeit - dieses sein ganzes leben aufgeben, was wir von mönchen kennen, machen hier nur wenige. dafür gibts immerhin mehr mönche. es gibt auhc ganze mönchsdynastien. ja, richtig gelesen - die önche dürfen auch heiraten und kinder kriegen. warum? das mit dem zölibat war zu unpraktisch. (manchmal liebe ich den japanischen pragmatismus!)
vermutlich bin ich auch eher negativ gegen shingon eingenommen, weil ich von unserem führer tierisch genervt war. ein schweizer, der diverse sachen gemacht hat, bevor er vor zehn jahren dann auf dem berg landete und jetzt also mönch ist. er redete ständig, fand sich ganz toll (was er alles wusste! was er alles schon gemacht hatte! und wie toll er jetzt den armen kindern in laos half!), stellte fragen, hörte aber der antwort kaum zu (und ihr wisst, dass mich sowas besonders nervt!) und war einfach insgesamt ein unsympatischer (fehlt da nicht ein h?) mensch.
dazu kommt, dass ichs nicht so mit ritualen hab. also, klar, jede art von gottesdienst braucht auch rituale, und gut gemacht und verstanden ist das ja wunderbar, aber dieses ganze klimbim und hoch-bedeutungsvolle irritiert mich eher. es gibt hier ein feuer-ritual, wo ein mönch in genau festgelegter art über stunden und stunden hinweg verschiedenes zeug in ein kleines feuer vor einem altar wirft - weißer sesam symbolisiert die erleuchtung, weil er ölig ist und das feuer auffleuchtet, wenn man ihn reinwirft, schwarzer sesam aber steht für die hindernisse auf dem weg zur erleuchtung, weil er schwarz ist. kampfer wiederum fürs nirvana, weil es verbrennt, ohne asche zurückzulassen. und so weiter. es gibt eine unmenge an zahlen, die bedeutung haben (nummer der vergehen, der buddhas, der bodhisattvas....), natürlich bedeutungsvolle gesten, und eine menge dinge auf so nem altar, die natrürlich alle hoch symbolisch sind. stellt euch ne katholische hochmesse vor, nur viel schlimmer.
und wie bei so einer messe, nur noch schlimmer, haben die gläubigen bei einer normalen 'morgenandacht' kaum gelegenheit zur partizipation. die mönche sitzen getrennt vor ihren altaren und rezitieren die sutren und andere dinge, während die gläubigen da sitzen. an einem punkt dürfen sie die schranke überschreiten und vor zwei statuen kleine rituelle opfergaben bringen, die auch schon von den mönchen vorbereitet sind. das wars.
hmpf.
ich hoffe, jetzt keine religiösen gefühle verletzt zu haben. sicherlich kann auch diese art des glaubens wunderschön sein, und wenn sich jemand in dieser art wohlfühlt, dann ist das ja wunderbar, aber ich muss gestehen - ich kann damit nichts anfangen. dafür bin ich dann wohl doch zu sehr rationalistin.


statuen eines buddhas namens jizo, der beschützer ist und vor allem in zusammenhang mit kindern bemüht wird. die lätzchen gehen auf eine geschichte zurück, in der eine böse frau aus der hölle gerettet wurde, weil sie in ihrem leben eine einzige gute tat vollbracht hatte: in einem winter hatte sie einer jizo-statue ein lätzchen gemacht, weil sie meinte, er müsse frieren.

um den huapttempel des (nicht) verstorbenen gründers hat sich ein großer friedhof angesammelt, eigentlich eine respektable angelegenheit mit alten steinen und großen bäumen, wo viele große familien japans liegen. (dementsprechend teuer). neuerdings gibt es auch einige firmengräber. da können dann teile der asche von mitarbeitern rein. hier ucc, die größte kaffefirma japans. es gab auch ne rakete irgendwo...

das zimmer der jungs - im klassischen stil eines japanischen gasthauses: tatami-matten, nachts werden futons bereitet, tagsüber sind sie weggeräumt, und winters gibts einen kotatsu, einen tisch mit wärmelampe drunter und decke drüber. (großartig!)

der garten des tempels, in dem wir übernachteten

ein pilger in voller montur

unser führer.


jedem touristenort sein maskottchen. argh!

auf der zugfahrt zurück.

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