hell yes.
eine woche waren wir in diesem moloch, diesem haufen beton voller menschen, und hatten ein ordentlich volles programm. darunter der besuch des nationalistischen yasukuni-schreins; der alten haupstadt kamakura; des hauptquartiers einer neune religion (rissho kosekai); kultur und sightseeing...
und einfach diese stadt... man kann stunden fahren, ohne was anderes zu sehen. millionen von menschen - schlimmer dadurch, dass tokyo mit den anderen städten der region im grunde schon zusammengewuchert ist. alles ist eng, platz ist kostbar. gleichzeitig besteht doch ein großteil der stadt aus niedrigen einfamilienhäuschen - was das ganze noch platzaufwändiger macht. dafür sind die straßen zwischen diesen häusern eng, kaum genug für ein auto. (aber das stört niemanden, das ist normal.) und oft weiß man nicht, wo eigentlich der erdboden ist, ob man grade unter-oder oberirdisch ist. es gibt hochstraßen, schächte, hügel, hochhäuser, department stores, die sich weit verzweigen und keinerlei fenster haben...
schon bei der hinfahrt fängt es an: wir fahren mit dem shinkansen, dem japanischen ICE- äquivalent. nur schneller, größer, komfortabler (die haben viel breitere wagen hier!), pünktlicher, genauso teuer... und sie fahren im viertelstundentakt die strecke kyoto-tokyo.
krass, oder? von wegen um wieviel uhr fahren wir denn ab? das ist vollkommen irrelevant! man verabredet sich einfach um 12 am bahnhof, kauft ne fahrkarte und nimmt dann den nächstbesten zug.
und dann schlägt man sich durch das u-bahn-system.
immerhin hatten wir angenehme und ruhige gästezimmer in einem wohnheim, das war abends immer die rettung - nach hause kommen, sich unter die dusche stellen, und dann ins bett fallen.
weil die zeit so vollgepackt war, werde ich nicht vernünftig erzählen können. stattdessen ein paar eindrücke.
viele bahnstationen haben solche wände vor den gleisen - auf dass niemand auf die gleise komme, absichtlich oder unabsichtlich. dass sowas nötig ist, ist gruselig - aber zum ende hab ich es fast verstanden, irgendwie. wenn man in so einer stadt wohnt, in einem gesichtslosen apartment, wo man niemanden kennt, und jeden tag auf einer arbeit verbringt, wo man stumpf vor sich hin ackert, mit kaum gelegenheit, mal was anderes zu sehen, menschen kennenzulernen, irgendwas zu tun außer zu arbeiten und erschöpft ins bett zu fallen.... und wenn dann der zug der ort ist, in dem man jeden tag viel zeit verbringt, zusammen mit zahllosen anderen menschen, die alle alleine da sitzen, mit ihrem handy beschäftigt sind, sich schminken, lesen, schlafen, höchstens sich mit jemand bekanntem unterhalten, und der einzige kontakt ist, wenn jemand schlafend auf des sichtznachbarn schulter sackt, und selbst (oder grade) das wird einfach ignoriert... dann kann ich mir vorstellen, wie die bahn zum symbol der eigenen hoffnungslosigkeit werden könnte.
aber vielleicht denke ich mir das auch nur aus.
toll ist auf jeden fall die präzesion, mit der die wagen immer an der markierung halten.
und dann kommt man raus und sieht sowas...
shibuya, die angeblich belebteste kreuzung der welt. bei grün strömen die fußgänger alle gleichzeitig über alle übergänge, auch quer über die kreuzung. und von allen ecken plärren einen lautsprecher an. der lärm ist unvorstellbar... als würden drei fernseher gleichzeitig hektische werbesendungen spielen. (was ja genau das ist, was passiert - nur dass dazu noch ein paar andere lautsprecher, der straßenlärm und die ganzen menschen kommen)
ist matthias nicht ein bezauberndes ufufu-girl?
die ginza... teuere einkaufsmeile, wo sich bekannte luxusmarken mit den seltsamsten japanischen edelauswüchsen abwechseln... und die webung, die bilder, die schaufenster einfach so unwahrscheinlich übertrieben kitschig, aufgedreht, gestylt sind. vor allem zu weihnachten. wenn ich mal die bilder von meinem handy runterkriege, werd ich euch mal ein paar mehr beispiele zeigen. christmas with a vengeance, indeed. graenhaft kitschig. aber lustig.
aus der ecke mehr:
ich wollte die jungs ja überreden, mir zu weihnachten was zu schenken, aber irgendwie wollten sie nicht...^^
ein beispiel für dachnutzung:
warum auch nicht. da oben ist es flach und man hat genug platz. auch für ne achterbahn.
natürlich ist auch tokyo nicht nur hypermodern. meistens ist es eigentlich eher etwas abgeranzt. aber manchmal ist es auch schön-alt. einer der klassischen touristenfängerorte ist der asakusa-schrein, wo es unzählige mitbringsel-läden gibt. (wobei die meisten touris einheimische sind.)
ein ganz zufälliges glück: wir liefen an einer shintoistischem zeremonie vorbei, wo vor dem ersten spatenstich die hiesige bodengottheit beruhigt wird. ohne wird hier kein haus gebaut. (ehrlich!)
nicht mehr ganz tokyo, sondern eine stadt weiter, kamakura, wo ich ende februar ne woche praktikum machen werde und wo der größte (? vllt auch zweitgrößte) buddha steht (naja, sitzt).aufmerksame beobachter erkennen die ausländerin in der braunen jacke und der karotasche. ^^
stromleitungen. üüberall stromleitungen! (und das mein ich ernst.) (und das ist wirklich überall so, nicht nur in tokyo, auch hier in kyoto, auf dem land - überall!)
der pazifik... und da werd ich ne woche sein... hehe.
jeder punkt ein surfer.
nein, das ist nicht dubai, das ist wieder tokyo: rissho kosekai, ne neue version des buddhismus. grundidee: man kann in diesem leben buddha werden (überraschung! ganz was neues!), man braucht nur das lotus-sutra, und man soll ein guter mensch sein. dann werden auch alle glücklich. kommentar alois: die sind nicht gefährlich. die sollen das mal machen.
Akihabara... distrikt der elektronik-fans... wo sich zahllose elektro-läden aneinanderreihen, und an der straße stehen mädchen in manga-kostümen oder fantasierten 'dienstmädchen-uniformen', die für cafes werben, in denen die bedienung so angezogen mit den kunden flirtet. wirkte so merkwürdig, dass die jungs trotz anfänglichem interesse nicht reinwollten.
kaum zu glauben, dass das hier der ekelhafteste punkt unseres trips war. vielleicht der ekelhafteste punkt ganz japans: der schrein, in dem all die verehrt werden, die für den kaiser im krieg starben. mittelpunkt der nationalen propaganda im zweiten weltkrieg. den kamikaze-piloten wurde die tolle idee eingegeben, sie würden sich ja hinterher im yasukuni-schrein wiedersehen. und dann wären sie helden.
ekelhaft vor allem, dass hier auch derjenigen als helden gedacht wird, die den krieg mitverantwortet haben, die als kriegsverbrecherverurteilt wurden... und dann ne frage von einem mitbewohner vorher: 'what is so bad about yasukuni? what is so bad about ... giving respect to those who started the war? they only wanted to do the best for their country'
wenn man sich überlegt, wie grässlich die japaner seit den ersten annexionen um 1900 rum mit ihren 'mitasiaten', die sie ja grade befreit hatten, umgegangen waren... und dann daran denkt, dass viele premierminister diesem ort einen besuch abstatten...
aber noch ekelhafter (!) war das museum daneben, in dem auf anstoßendste art und weise den helden gedacht wurde. das massaker von nanking, wo die halbe bevölkerung nankings von den japanern abgeschlachtet wurde, wird zum 'zwischenfall', und natürlich wurden nur die soldaten der chinesen getötet, die zivilbevölkerung habe die japanische armee mit freude empfangen.
und dann werden die ganzen eroberungskriege japans dich tatsächlich, allen ernstes, wirklich als befreidungskriege dargstellt, die dazu geführt hätten, dass sich hinterher viele völker asiens von der kolonialherrschaft befreien konnten. das leuchtende vorbild japans. und so.
den ganzen toten in der zivilbevölkerung japans wird übrigens kaum mal ein panel gewidemt. ist ja egal, die sind ja nicht für den tenno gestorben.
ich hatte noch nie so stark das bedürfnis zu randalieren. die schilder zu überkleben, die laute zu schütteln und anzuschreien... oder mich zu übergeben. was für eine scheisse!
wenigstens sind die meisten japaner nicht auf der linie des museums.
und doch... in den schulbüchern heißt es, soweit ich weiß, immer noch 'zwischenfall von nanking'.
aber weiter gings, und weiter gehts. shinjuku - wo die hochhäuser stehen. dagegen ist frankfurt ein vorgarten. allein der bahnhof von shinjuku ist ein wahsinsgebilde mit über sechzig ausgängen, und man weiß nicht, auf welcher ebene man sich befindet, ob über oder unter der erde...
hier auf einmal sind die straßen breit, es ist weniger hektisch, obwohl genauso viele menschen auf den gehwegen sind - sie sind viel weiter. und über einem ragen die fünfzigstöcker auf.
da oben waren wir drin, das ist das regierungsgebäude...
und da ssieht man von oben:
stadt...
stadt...
stadt...
und stadt. nur begrenzt vom meer und den fernen bergen - wobei ich sicher bin, dass sie bald die berge abtragen und ins meer werfern werden, weil dieser wuchernde moloch mehr platz braucht.
wie kann man so leben?
werden wir alle irgendwann so leben?
tjaja... jetzt bin ich wieder zurück im gemütlichen kyoto, das neben diesem betonmonster doch sehr klein und beschaulich wirkt. zwei wochen hab ich jetzt noch, zum luft holen, letzte aktivitäten machen, pläne fertigmachen, und dann gehts los ins große abenteuer aus praktika und reisen. zwei monate lang... und am ende werde ich wieder in diesem moloch sein, bei freunden die letzten tage verbringen, bevor ich dann nach peking fliege.
aber morgen ist erstmal weihnachten.
na dann...

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