... einige wochen und gedanken später kehre ich hier zu dieser frage zurück, die mich natürlich all die weil begleitet hat.
und?
es ist komisch, weihnachten zu feiern, wenn draußen noch die blätter von den bäumen trudeln. es ist komisch, wenn einem überall dekorationen entgegenblinken und man mit schrecklichsten weihnachtsliedern zugedudelt wird (mein bedüfrnis, alle lautsprecher in hörnähe zu zerstören, war noch nie größer, und wenn ich noch einmal den anfang von 'joy to the world' höre...) und man doch gleichzeitig weiß, dass das alles nichts bedeutet hier - noch weniger als in deutschland, und schon da ist es ja ziemlich kommerzialisiert.
es ist auch sehr komisch, wenn man am 24. abends aus der kirche kommt und dann auf dem fahrrad durch einen ganz normalen freitagabend fährt - läden, die grade zumachen, menschen auf ihren üblichen freitagabendwegen.
bisher habe ich, wenn ich über die bedeutung des weihnachtsfestes nachdachte, mich immer selbst geschimpft dafür, dass mir das ganze drumherum, das ganze klimbim aus musik, gerüchen, essen, bräuchen so wichtig war. beide male, die ich jetzt schon weihnachten hier in japan verbracht habe, habe ich mich bemüht, so viel wie möglich diese weihnachtsatmosphäre auch hier zu schaffen. habe glanzpapiersterne ausgeschnitten, plätzchen gebacken, lieder gesungen, kerzen angezündet und einen zweig von der nadelgehölzhecke (keine ahnung, was für ein zeug das ist, aber es ist grün und irgendwie - leider sogar ziemlich - nadelig, wenn auch als einzelner zwei nicht besonders schön) stibizt, um ihn mit strohsternen zu schmücken.und ich habe mich auch doch sehr gefreut, dass ich am weihnachtsabend ein paar geschenke zum auspacken hatte.
dabei hat das doch alles eigentlich gar nichts mit dem, worum es an weihnachten geht, zu tun!
oder?
klar ist die magie des kinderweihnachtens, an die man sich an weihnachten doch immer gern erinnert und die man wiederherzustellen versucht, toll, aber darum gehts doch nicht!
oder?
(rhetorische frage, klar, bitte entschuldigt.)
natürlich geht es um was anderes. es geht darum, dass gott in unsere welt gekommen ist, als einer von uns. dass er nicht nur abstrakt, sondern tatsächlich sich in unser leben, in die menschliche geschichte begeben hat - und zwar als teil der armen, normalen menschheit. es geht darum, dass unser gottesbild zum fernen, unheimlichen, aber auch sorgenden gott etwas hinzubekommen hat - das des gottes, der direkt bei uns ist.
und so. darüber wurde ja schon viel geschrieben, ich werde es wohl kaum besser machen.
aha - und nun? wenn man weihnachten tatsächlich ohne alles drumherum feiern wollte, dann bliebe diese erkenntnis. eine wunderschöne erkenntnis, aber nichtsdestotrotz würde man allein mit dem gedanken doch ziemlich in der luft hängen. schließlich ist dieses ereignis ja auch nichts, was bloß intellektuell geschieht. und so wäre es wohl enttäuschend, wenn weihnachten allein darin bestünde, diese gedanken still zu denken.
immerhin erinnern wir an diesem tag das bewegendste, schönste, seltsamste ereignis des christlichen glaubens. daher ist es nur einleuchtend, wenn wir diesen tag selbst auch zu etwas besonderem machen wollen. dass wir ihn absetzen wollen vom alltag. und das geht nun mal nur, wenn man neben dem geist auch den rest des menschen mit einbezieht. es ist doch wundervoll und passend, wenn grade der jahrestag dieses wunderbaren geschehens für kinder so ein märchenhafter tag ist.
und im grunde ist es auch passend, wenn wir uns an diesem tag gegenseitig besonders eine freude machen wollen. ja, klar, das sollte man nicht nur an weihnachten. aber ich glaube, wir brauchen tage, an denen wir an sowas erinnert werden. und dieser brauch des kollektiven geschenke-austauschens ist was ziemlich ungewöhnliches; wenn ich hier in japan davon erzähle, sind meine zuhörer oft verwundert; geschenke gibt es hier zwar oft, aber als mitbringsel und dankesgaben, und zu neujahr kriegen die kinder von den eltern geld in schönen umschlägen. dass aber auch die kinder den eltern was schenken, das scheint hier unbekannt.
und ich muss gestehen: weihnachten ganz ohne geschenk wäre schon schade.
klar, man muss schon aufpassen, dass man vor lauter schenkerei und dudelei nicht den kern der ganzen angelegenheit vergisst. aber das drumherum gehört zum fest dazu.
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